dies, das und irgendwas aus dem leben eines armen edelmanns.

Donnerstag, 4. Februar 2010

Die Eishölle des Nordens

Hamburg hat sich in den vergangenen Wochen langsam aber stetig in eine komplett vereiste Stadtsteppe verwandelt. Die Gehwege und Straßen der Elbmetropole sind mit einer massiven, hochverdichteten Kruste aus tödlich glattem H2O überzogen. Alstereisvergnügen? Alter, Scheiß-Vergnügen! Immer knapp am Hals-, Bein- oder Armbruch vorbei schlitternd, wird jeder Gang vor die Haustür zum potentiellen Rendevous mit Dr. Gips. Anfängliche Freude über die pittoreske weiße Stadtverschönerungsmaßnahme weichen dem Frust über nicht enden wollendes Tropfnasentum und Höllengehust. Eine Stadt fordert: "Verpiss Dich, Winter." Dabei wäre zumindest die Todesglätte vermeidbar gewesen. Wenn, ja wenn, der Hamburger an sich in der Lage wäre adäquat mit dem Phänomen Winter bzw. Schneefall umzugehen. Die jahrelange Abstinenz der weißen Pracht hat dazu geführt, dass in der hanseatischen Psyche jegliches Abwehrverhalten gegen Schnee und Eis verschwunden ist. Jeder schneegeprüfte Bayer hätte gleich bei der ersten Ladung Pulverterror dafür gesorgt, dass die öffentlichen Verkehrswege - notfalls mit dem Einsatz von Schippe und Streusalz - wieder begeh- bzw. befahrbar werden. Nicht so die Elbanrainer: Fatalistisch vertrauten Bürger und Verwaltung auf zügiges Abschmelzen und vermieden tunlichst jegliche Räumtätigkeit. Das Ergebnis dieser bewährten Taktik freut Autowerkstätten und das leidgeprüfte Personal in den Notaufnahmen der städtischen Krankenhäuser. Den Gang in die Eishölle werde ich trotzdem weiterhin täglich wagen. Bis auch der Bonvivant sich auch einmal schön auf die Fresse packt hinlegt.

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